Wir hatten uns im „Bunker“ verabredet – ein düsterer Laden mit ebensolchen Typen, denen man besser aus dem Weg gehen sollte, also ein konspirativer Ort, erfüllt von unwirklichen Gerüchen und Geräuschen, wo keiner sich für den anderen interessierte. Hier trank man Spanish flu, ein bläulich-schwarzes Gebräu mit bittersüßem Geschmack. Oder sangsue eine Mischung aus gelbroten Sommerblüten und schwarzer Brause, keine Ahnung wie das schmecken sollte.

Dies war bereits die siebte Zusammenkunft dieser Art, er hatte nicht zu viel versprochen, denn wie jedes Jahr blieb er seinem Motto sleazy & pongy treu.

Ich kam zu früh, bestellte daher schon mal einen Mint Julep, um in Stimmung zu kommen, rührte mit dem kleinen Strohhalm den Cocktail und der silberne Becher begann sich von außen zu vereisen.

Die schlaksige Bedienung schlich leicht gebückt durch die Tischreihen und späte nach leeren Gläsern, um dann schneller als erwartet wieder ein gefülltes Glas zu servieren. Ich ließ mir also Zeit und nippte nur ab und zu an meinem Drink, nebenbei nahm ich die Bühnenshow nur aus dem Augenwinkel wahr, denn mein Blick haftete an der Eingangstür, die jedes Mal, wenn jemand eintrat, durch einen schweren grünen Vorhang einzusehen war.

Natürlich war mir der Typ neben der Tür aufgefallen, ein kahlköpfiger muskulöser Kerl mit tiefliegenden Augen und einer Narbe anstelle eines Ohres und er war nicht die einzige verschlagene Person in diesem Etablissement. Er fingerte mit einer Münze herum, während er dauernd auf die Bühne klotzte, auf der inzwischen ein Wechsel stattgefunden hatte; die blasse Sängerin mit der dunklen Stimme ging in ihrem türkisblauen Kleid wehend von der Bühne und wurde von einem quadratköpfigen Kerl in einem graukarierten Anzug abgelöst.

Es bedurfte nur dieses einen kleinen Momentes der Unachtsamkeit und meine Augen wurden von hinten mit großen Händen zugehalten, seinen Duft aber erkannte ich sofort. Mein Herz begann zu pochen, ich drehte mich auf dem Hocker zu ihm herum, seine Hände lösten sich und wanderten langsam an meiner Schulter herunter, ich behielt meine Augen geschlossen und spürte den Kuss, der alles wieder entfachte.

 

(Dieser Text ist auch aus meinem Repertoire der abc-etüden aus dem letzten Jahr – diese hier gefällt mir selbst ausgesprochen gut – schon irre, was so in einem steckt, grins)

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